Interviews: Bayreuth Journal: "Folie" - Uraufführung eines Auftragswerkes



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"Folie" - Uraufführung eines Auftragswerkes

Der 26-jährige Komponist Jörn Arnecke ist die Entdeckung des Festivals. Bereits im vergangenen Jahr arbeitete er mit Corinna Palm (Tochter von Vorstand Siegfried Palm) in Bayreuth zusammen. Er beeindruckte durch seine Arbeit an Mozarts Figaro und wurde beauftragt, für das Symphonieorchester eine Komposition abzugeben. Wir sprachen mit dem sympathischen jungen Komponisten, der in Hamburg lebt, über seine Arbeit in Bayreuth und seine beruflichen Pläne.

Sie studieren derzeit in Hamburg Komposition und Musiktheorie. Worin liegt für Sie der Reiz eines solchen Studiums, fühlen Sie sich berufen?

Berufen klingt so hochtrabend und ich nehme mich persönlich auch nicht so wichtig. Natürlich braucht man Power, um das Studium durchzuziehen, und man muss sich schon in dieser Zeit die Möglichkeiten überlegen, wie man später seinen Lebensunterhalt bestreiten will. Ich bin in Hameln aufgewachsen und habe mich schon immer für klassische Musik interessiert. Nach dem Abitur wollte ich testen, ob ich auch übergeordneten Maßstäben gerecht werde, und habe an den renommierten Hochschulen Karlsruhe und Hamburg die Aufnahmeprüfung gemacht und hätte an beiden Schulen einen Studienplatz bekommen.

Im Oktober machen Sie ihr Examen. Werden Sie sich künftig auch für andere Musikrichtungen öffnen?

Meinen Zivildienst absolvierte ich bei einer Musikgruppe in München, die klassisch ausgerichtet war. Es wurden zwar auch Schlager und Volkslieder aufgeführt, doch ich bin der Meinung, nur mit klassischer Musik kann man sich ausdrücken und was bewegen. Würde ich Filmmusik komponieren, wäre meine Arbeit doch nur dazu da, andere Dinge zu unterstützen oder hervorzuheben. Natürlich solle man bei der Komposition von klassischer Musik auch aktuelle Strömungen verfolgen. Der Prozess, klassische Musik zu komponieren, ist nicht abgeschlossen, gleichwohl die Urheber der Stücke, die in diesem Bereich aufgeführt werden, alle tot sind. Die klassische Musik lebt und es gibt viele junge Komponisten, die sich dieser Art von Musik verschrieben haben und ihre Stücke auch zur Aufführung bringen.

Wir wünschen Ihnen für die Zeit in Bayreuth viel Erfolg, auch für Ihre Abschlussprüfung. Vielen Dank für das Gespräch!

Gabriele Munzert, Bayreuth Journal, 2000